Vom Polytechnischen Lehrgang zur Polytechnischen Schule

1962 wurde die allgemeine Schulpflicht von acht auf neun Jahre verlängert. Wer dieses neunte Schuljahr nicht in einer weiterführenden Schule absolvierte, musste den Polytechnischen Lehrgang (PL) in seinem Schulsprengel besuchen.
1966 war es dann soweit – die PLs öffneten ihre Tore. Mangelhafte Vorbereitungen und geringe Investitionen bewirkten einen schwachen Start, es hagelte Kritik von allen Seiten, besonders von der Wirtschaft, die dringend Lehrlinge benötigte.
In Hopfgarten wurde der PL an die Hauptschule angeschlossen, 35 Schüler schrieben sich ein. 1971 mussten erstmals zwei Klassen mit 43 Schülern geführt werden, sodass Überlegungen für eine Selbstständigkeit laut wurden.

Im Herbst 1975 öffnete dann der selbstständige PL-Hopfgarten seine Tore. Wieder war der Start problematisch: Es standen keine geeigneten Räume und Lehrmittel zur Verfügung, Lehrer wurden ebenfalls nicht zugewiesen, sodass Josef Moser als bestellter Leiter für den Unterricht Volksschullehrer bitten musste.

Die Selbstständigkeit brachte eine größere schulische Beweglichkeit sowie mehr Möglichkeiten, auf die speziellen Probleme dieser Altersstufe einzugehen mit sich, und die Vorbereitungen auf das künftige Berufsleben konnten intensiver verwirklicht werden. Die Aktivitäten nahmen ständig zu, eine eigene PL-Zeitung entstand, die Kontakte zur Wirtschaft intensivierten sich, die verschiedensten Zusatzkurse wurden angeboten und der Sport wurde ebenfalls forciert.

Im Herbst 1979 erhielt der PL-Hopfgarten erstmals mit Herrn Schartner Christian einen zweiten Lehrer zugewiesen, 1982 kamen noch Frau Jakober Maria (Kurz Maria) und Herr Reider Josef dazu. In diese Zeit fällt auch die völlige Neugestaltung des PL durch Wahlpflichtfächer, Leistungsgruppen und ein Sonderangebot berufsbezogener Fächer. Damit präsentierte sich der PL als moderne Schulform. Der im Schuljahr 1983/84 durchgeführte Umbau brachte auch räumlich die notwendigen Verbesserungen.
Im Frühjahr 1987 hielt erstmals der Computer Einzug, das PL-Lehrerteam widmete sich voll dieser neuen Kommunikationstechnik. Aber alle Bemühungen um eine moderne Schule halfen nichts, die Schülerzahlen sanken derart, dass ab dem Schuljahr 1988/89 nur mehr eine Klasse geführt werden konnte.

1997 war es wieder soweit, das Ministerium startete einen neuerlichen Versuch, die Qualität des Polytechnischen Lehrganges zu heben. Ein neuer Name „Polytechnische Schule“ (PTS) und neue Fächer entstanden, berufsbezogene Bereiche wie ein „Technisches Seminar", ein "Betriebswirtschaftliches Seminar mit angewandter Informatik“, sowie ein „Human-kreatives Seminar“ sollten alle Wünsche der Schüler abdecken. Gleichzeitig brachte der Schulerweiterungsbau in Hopfgarten optimale Bedingungen.
Mit März 1998 ging der bisherige Leiter OSR Moser Josef in den Ruhestand und die PTS (eine Klasse) wurde wieder an die Hauptschule angeschlossen. Der „ursprüngliche Zustand“ war damit neuerlich hergestellt!

OSR Franz Ziernhöld übernahm die Leitung der angeschlossenen Polytechnischen Schule.

 

PTS-Erinnerungen von OSR Ziernhöld Franz

Die PTS-Hopfgarten mit 16 Schülern wurde nach der Pensionierung von OSR Moser ab 1. April 1998 vorübergehend der HS-Hopfgarten angeschlossen. Damit gab es in Tirol neben Elbigenalp/Lechtal eine zweite Hauptschule mit angeschlossener Polytechnischer Schule. Die Marktgemeinde Hopfgarten unter Bürgermeister Paul Sieberer wollte diese Schule im Ort behalten. Es galt also, dringendst die Schülerzahlen anzuheben. Aber wie?
Ein neues Konzept war  zu entwickeln und die Fachbereiche so zu gestalten, dass diese auch angenommen wurden. Dies gelang Dank des Einsatzes und der Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen der Hauptschule (Maria Oberlechner, SR Lindner Georg, Schartner Christian, Sieberer Paul und der LehrerInnen für Bewegung und Sport), Dank des Einsatzes der Lehrerkollegen  Bgm. Sieberer von Hopfgarten und Bgm. Josef Thaler(+) von Itter und diverser anderer Helfer in den Interessensvertretungen konnten die steten Forderungen der Schulaufsicht, der ARGE-PTS diese einklassige PTS zu schließen, abgewehrt werden.
Wir beteiligten uns dann mit unseren Schülern am Landesredewettbewerb, an den Fußballmeisterschaften der PTS, an den Wettbewerben in den Fachbereichen und konnten durchaus mit den mehrklassigen PTS mithalten.
Im Fachbereich Handel/Büro/EDV  hatten wir Dank meiner Nachfolgerin HD Maria Klingler  tirolweit die beste Ausbildung anzubieten, das sprach sich herum. Bis zu meinem Ausscheiden im Jahre 2007 hatten wir bis zu 28 SchülerInnen in drei Fachbereichen und seit der Senkung der Schülerzahlen im Herbst 2007 ist diese Polytechnische Schule wieder zweiklassig.

Mich freut es auch heute noch, wenn ich sehe oder höre, dass sich dieses “ungeliebte  Kind“ gut weiterentwickelt und unsere PTS-Schüler nicht in andere Gemeinden auspendeln müssen.